Peter Sloterdijk
Scheintod im Denken

Hubert Mania
Gauß

Arthur van Schendel
Das Fregattschiff „Johanna Maria“

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Einer der beliebtesten Ansätze, menschliches Handeln zu klassifizieren, ist die Unterscheidung in „vita activa“ und „vita contemplativa“. Sloterdijk wendet sich gegen diese Alternative, weil sie den Blick verstellt auf eine Trennung, die er wichtiger findet: Menschen, die mit dem Strom schwimmen zum einen, Menschen, die bewusst und konsequent etwas anstreben, was die Mehrheit nicht kann, zum anderen. Letztere nennt er die Übenden (auch Asketen oder Anthropotechniker). Von diesen handelt ja sein letztes viel gelesenes Buch „Du musst dein Leben ändern“. „Scheintod im Denken“ ist eine Ergänzung dazu. Es geht um einen Spezialfall des Übenden, den „bios theoretikos“ oder „homo academicus“, also den Gelehrten, den es seit Platons Begründung der Akademie bis heute gibt und der wohl auch nicht so schnell ausstirbt. All die Jahrhunderte bis ins zwanzigste wurde von diesen erwartet, er müsse sich quasi vom Leben zurückziehen, um dieses möglichst objektiv erforschen zu können („Scheintod“). Erst in letzter Zeit wurden immer wieder Attacken gegen den „reinen Beobachter“ geritten.

Sloterdijk führt uns auf einem anstrengungslosen, ja bisweilen amüsanten Spaziergang durch eine Geistesgeschichte, die aus diesem Blickwinkel noch nie umrissen wurde.

Suhrkamp Verlag
EUR 10,30

 


Carl Friedrich Gauß (1777-1855), einer der bedeutendsten Mathematiker überhaupt, ist ein nahezu Unbekannter, lediglich als Romanfigur tauchte er zuletzt in den Köpfen vieler Leser (von Kehlmanns „Die Vermessung der Welt“) auf. Die Fakten hinter der Fiktion nachzuprüfen, ist durchaus lohnenswert, insbesondere wenn man eine Biografie aus der Feder eines so begabten Autors wie Hubert Mania zur Hand hat. Denn Denken und Leben dieses Wunderkinds und Ausnahmegenies sind durchwegs staunenswert, und das Schicksal des Herzogtums Braunschweig, in das Gauß hineingeboren wurde, sowie die Zeitumstände in Göttingen, wo er Professor war, sind hochinteressant.

Gauß kapselte sich von der Geschichte ab, wo es nur ging- und schrieb doch selbst Geschichte. Neben seinen fast schon zahllosen Erkenntnissen schuf er mit seinem Konzept der nichteuklidischen Geometrie die Grundlagen für Einsteins Relativitätstheorie. Die Vielfalt der Mathematik und seiner Anwendungen wird dem Laien hier eindrucksvoll vorgeführt.

Rowohlt Verlag
EUR 13,40

 


Dieses eigenwillige Buch packt einen nicht schon auf der ersten Seite, es braucht Zeit. Zunächst von chronikalisch-repetitivem Charakter, verlangt es Geduld und dürfte allenfalls bei Stifter-Lesern für Zustimmung sorgen. Doch je klarer wird, worum es geht, umso stärker wird auch eine nicht alltägliche Faszination spürbar.

Die „Johanna Maria“ ist eines der letzten Vollschiffe, die in Holland gebaut wurden. Am Ende seiner vierzigjährigen Laufbahn haben die eisernen Dampfschiffe die Segelschiffe längst abgelöst. Der einfache Segelmacher Jacob Brouwer ist dennoch besessen von der Vorstellung, dieses Schiff, auf dem er von Beginn an arbeitet, einst zu kaufen. Da er nur wenig ansparen kann, ist klar: Wenn es soweit sein wird, ist Brouwer alt und das Schiff baufällig.

Wozu also das Ganze? Weil die „Johanna Maria“ Symbol ist für das Immer-etwas-Wollen, für die treibende Kraft des Lebens überhaupt. Und Schendel hat eine verknappende Beschreibungstechnik entwickelt, die zunächst verblüfft, gegen Schluss sogar begeistern kann.

Manesse Verlag
EUR 18,40