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Der Debütroman von Florence Knapp, "Die Namen", ist ein sehr emotionaler Familienroman, der verschiedene Möglichkeiten erforscht.
Als erstes war das Cover, das mich sehr angesprochen hat. Der Klappentext beschreibt das Buch ziemlich wortwörtlich, ohne die Bedeutung tatsächlich zu verraten.
Cora und Gordon bekommen im 1987 ein zweites Kind, dieses Mal einen Sohn, einen Bruder für ihren Tochter, Maia. Laut Tradition müsste das Kind Gordon heißen, wie der Vater und der Großvater väterlicherseits. Gordon schickt Cora zum Meldeamt und ahnt nicht, dass sie überlegt, den Sohn anders zu nennen. Cora's Entscheidung ist impulsiv, sie hat keinen anderen Namen vorbereitet, sie wollte nur die Tradition abbrechen.
Des Weiteren macht die Autorin ein interessantes Experiment, wir verfolgen die Familie alle 7 Jahre, bis die Kinder 35 Jahre alt sind und wir sehen, wie sie (auch) von deren Namen beeinflusst wurden. Die Entwicklung jeder Person in der Familie ist nicht nur von der Auswahl der Namen beeinflusst, sondern auch von den Entscheidungen der Eltern. Was in dem Klappentext nicht erwähnt wurde, ist welche großen Anteil die häusliche Gewalt im Buch einnimmt.
Florence Knapp schreibt sehr präzise und die Struktur des Buches ist sehr interessant und anspruchsvoll. Wir bekommen Einblicke in das Familienleben alle 7 Jahre, als der Sohn Bear, Julian oder Gordon heißt. Es startet immer von dem in sieben Jahren aktuellen Status und es wird rückwärts erzählt, was in diesen sieben Jahren passiert ist. Die Entwicklung der Charaktere ist in allen drei Versionen glaubhaft und so sensibel erzählt, dass mir jedes Mal die Geschichte unter die Haut gegangen ist.
Der Klappentext bewirbt nur, welchen Einfluss der Name auf eine Person hat. Wichtiger als das sind aber so viele anderen Themen im Buch, wie zum Beispiel das häusliche Gewalt, mit Verlust und Familientrauma weiterleben, Familienstrukturen, Rollenbilder in einer Familie, Macht und Kontrolle innerhalb der Familie, Identität und Selbstfindung, wie man aus der Schatten unseren Eltern rauskommen kann.
Diese Themen sind überall präsent, in allen drei Bear, Julian und Gordon Versionen, jedes Mal in unterschiedlichen Proportionen, aber immer da.
Der Epilog ist ziemlich kalt, leise und sachlich gehalten. Es gibt keinen Abschluss, sondern man erkennt nochmal, dass kleine Entscheidungen große Auswirkungen im Leben haben. Die Auswahl der Namen ist eine diesen Entscheidungen, aber was uns ausmacht, sind nicht nur unsere Namen, sondern alle kleinen Entscheidungen, die wir treffen.
Fazit:
Ich habe dieses Buch in jeder Hinsicht geliebt: die anspruchsvolle Struktur, die Themen, die sich durch alle Ebenen der Geschichte ziehen, den eindringlichen Erzählstil und auch das Cover.
Wer mit dem Thema häusliche Gewalt umgehen kann, dem kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen.
„Das Buch der verlorenen Stunden“ ist der Debütroman der amerikanischen Autorin Hayley Gelfuso.
Ich möchte da unbedingt die Gestaltung loben. Sowohl die Umschlagfolie als auch das Hardcover sind wunderschön in passenden Farben gestaltet.
Der Schreibstil der Autorin ist unglaublich gut, berührend, bildhaft und sehr atmosphärisch. Die Autorin legt großen Wert auf kleine Sprüche, die eine große Wirkung haben. Die Geschichte ist emotional und verfolgt zwei Erzählstränge, die sich am Schluss wieder vereinen.
Die 11jährige Lisavet wird im Jahr 1938, in der Kristallnacht, von ihrem Vater, ein jüdischer Uhrmacher, in einer geheimer Bibliothek versteckt. Lisavet wird langsam erkennen, dass das ein Ort außerhalb der Zeit und Raum ist und ist bewahrt von Zeithütern, die entscheiden können, welche Erinnerungen in Bücher aufbewahrt und welche ausgelöscht werden. Diese Idee hat mich sofort fasziniert und gibt dem Buch eine magische Atmosphäre.
Auf einer anderen Ebene kennen wir Amelia, Moira und Ernest im Jahr 1965 und wir bekommen langsam Hinweise, wer die anderen Charaktere sind und was zwischen 1938 und 1965 passiert ist. Dieser Teil hat ein eiliges Tempo, war spannender und hat sich für mich wie ein Thriller angefühlt.
Ich fand die Charaktere in diesem Buch glaubhaft und konnte ihre Entscheidungen gut nachvollziehen. Sehr interessant habe ich gefunden, wie man für die gleiche Figur in unterschiedlichen Situationen unterschiedliche Gefühle entwickeln kann.
Das zentrale Thema des Buches sind die Erinnerungen und rund um dieses Thema wird sehr viel philosophiert: wer entscheidet was wir uns erinnern, gehören die Erinnerungen uns selbst oder sind Teil der Gemeinschaft, wo alle Zugriff haben dürfen, wie ethisch ist es, Erinnerungen zu manipulieren, was passiert mit der Geschichte, wenn die Erinnerungen manipuliert werden, wie stark können wir uns an Erinnerungen verlassen, usw. Ich finde dieser philosophischen Teil, den historischen Hintergrund, den Zweiten Weltkrieg, sehr passend.
Es werden auch andere Themen besprochen, wie Identität, Zeit, Liebe, Familie, Geschichte und die Macht von Geschichten.
Es gibt Zeitsprünge und zwei Erzählstränge, man muss sich zurechtfinden, wo man in Raum und Zeit im Buch ist und dann ist man mit vielen Fragen konfrontiert. All das macht das Buch etwas anspruchsvoll, aber genau deshalb finde ich das Buch lesenswert.
Fazit:
Mir hat das Buch besonders gut gefallen, auch wenn ich von Genre es nicht gut einordnen konnte. Das Buch eignet sich gut für alle, die Fantasy Geschichten mit historischem Hintergrund mögen und für alle, die Geschichten mit Tiefe mögen, die Fragen stellen und nachdenklich machen. Aus meiner Seite bekommt das Buch auf jeden Fall 5*+
Der Roman „Der brennende Garten“ von V. V. Ganeshananthan wurde 2024 mit dem Women's Prize for Fiction und dem Carol Shields Prize geehrt.
„Der brennende Garten“ erzählt die bewegende Geschichte der jungen Tamilin Sashi, die in den 1980er Jahren in Jaffna, Sri Lanka, lebt und davon träumt, Ärztin zu werden. Der Bürgerkrieg in Sri Lanka bricht aus und reißt ihre Familie auseinander, zwei ihrer Brüder und ihr Jugendfreund schließen sich den Tamil Tigers an. Sashi kämpft auf ihre eigene Weise für Gerechtigkeit und muss schließlich ins Exil nach New York.
V. V. Ganeshananthan schreibt mit einer ruhigen Stimme und mit viel Tiefgang. Man lernt aus dem Buch sehr viel über die Geschichte Sri Lankas, aber gleichzeitig vergießt V. V. Ganeshananthan nicht die Geschichte mit viel Empathie zu erzählen.
Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Sashi erzählt, was dem Roman eine besondere Intimität und emotionale Tiefe verleiht.
Das Buch behandelt viele ernsten Themen. Es wird thematisiert, wie junge Menschen radikalisiert werden, wie sie in politische Bewegungen geraten und was das für ihre Angehörigen bedeutet. Es wird sehr gut beleuchtet und was Migration bedeutet, wie das Leben zwischen zwei Welten möglich ist.
„Der brennende Garten“ von V. V. Ganeshananthan ist ein meisterhaftes Werk, das keine leichte Lektüre ist. Der Roman ist bewegend, literarisch stark und von großer gesellschaftlicher Relevanz.
"We Burn Daylight" von Bret Anthony Johnston basiert auf einer wahren Begebenheit, der Tragödie von Waco im Jahr 1993, bei der das FBI das Anwesen der religiösen Sekte Branch Davidians stürmte. Der Roman verfolgt die wahre Geschichte von Waco, die Charaktere, Lamb, Jaye und Roy, sind aber fiktiv.
Jaye und ihre Mutter machen sich auf nach Waco, Texas, um sich der Glaubensgemeinde des charismatischen und gefährlichen Anführers Lamb anzuschließen. Lamb ist zwar charismatisch, aber gewalttätig und sehr gefährlich und ist schon im Visier des FBIs. Jaye kennt den Sheriffs Sohn, Roy, und zwischen ihnen wächst eine tiefe Verbindung, nur leider geraten sie zwischen zwei Welten, die gegenseitig kämpfen.
Das Buch wird aus mehreren Perspektiven erzählt: Roys, Jayes und eines Podcast-Interviews. Das fand ich sehr gut gemacht, denn so wurden mehrere Sichtweise beleuchtet.
Die Charaktere sind sehr authentisch und man kann ihren internen Konflikte gut verstehen.
"We Burn Daylight" ist ein packender Roman mit historischen Hintergrund, authentischen Charakteren und ernsten Themen, die nachdenklich machen.
Aus meiner Seite eine klare Leseempfehlung!
"Rückkehr der Engel" von Marah Woolf ist mein erstes Buch von der Autorin, das ich gelesen habe. Ich wusste nicht, was mich alles erwarten würde. Umso beeindruckter war ich: Die Geschichte hat mich von Anfang an gepackt.
Der Schreibstil ist wunderbar flüssig, bildhaft, sehr intensiv und fesselnd. Ich war von der ersten Seite voll in der Geschichte und konnte nicht aufhören zu lesen - man fliegt einfach durch die Seiten.
Die Erzählung lässt sich in unterschiedliche Abschnitte unterteilen: mal voller Spannung und Action, mal tiefgründig und emotional. Die zahlreichen Wendungen hielten die Spannung konstant hoch, und ich war neugierig, was als Nächstes passieren würde. Am Ende bleiben einige Fragen offen, ich hoffe sehr, dass Band 2 darauf Antworten gibt.
Die Figuren im Buch sind facettenreich gestaltet, einige stehen klar für das Gute, andere für das Dunkle. Es gibt aber auch viele Charaktere, die bis zum Schuss schwer einzuschätzen sind.
Moon ist eine starke, sture und sehr mutige Protagonistin, die jede Woche in der Arena kämpft, um den Unterhalt ihrer Geschwister zu sichern. Man kann im Buch ihre Entwicklung sehr gut beobachten, was sehr glaubwürdig und emotional gezeigt wird. Auf ihrer Seite steht die ganze Zeit Alessio, der ein guter und zuverlässiger Freund ist, der ihr ständig Rat und Mut gibt. Die Engel sind vielschichtig dargestellt, man kann sie aber nicht eindeutig in gut oder böse aufteilen.
Fazit:
Ich war mit dem Schreibstil von Marah Woolf nicht vertraut, da das mein erstes Buch von ihr war. Vielleicht auch deshalb war ich total begeistert sowohl vom Schreibstil, den Charakteren, der Geschichte selbst und nicht zuletzt vom Setting. Ich kann nur das sagen, Venedig werde ich nie wieder mit den gleichen Augen sehen und ich bin sehr gespannt auf Band 2.
"Die Sache mit Rachel" ist ein tolles Coming-of-Age-Buch. Rachel ist eine 31-jährige Irin, die in London lebt und als Journalistin arbeitet. Als sie eines Tages Irland besucht, erinnert sie sich an die Zeit, als sie studiert hat.
Ich habe in diesem Hörbuch alles geliebt. Der Titel des Buches hat mich gleich neugierig gemacht. Die Sprecherin hat so eine tolle Stimme, dass ich gleich die Protagonistin gemocht habe. Und dann Rachel :)Rachel, durch die ökonomische Situation in Irland den 90er Jahre, muss selbst ihr Studium bezahlen. So arbeitet sie in einer Buchhandlung, wo sie ihren zukünftigen besten Freund und Mitbewohner James kennenlernt. Sie ist eine starke Protagonistin und steht für sie und die Menschen, die sie liebt.
Der Schreibstil ist mitreißend, ich habe das Hörbuch in einem Zug gehört. Rachel und James teilen sich eine ganz besondere Freundschaft und sind immer füreinander da. Außer Freundschaft kommen noch einige ernsten Themen in Fokus, wie zum Beispiel Abtreibung in Irland. Später, als in London umgezogen ist, wird sie eine starke Stimme für alle Frauen in Irland, die wegen eine ungewollte Schwangerschaft in Schwierigkeiten kommen.
Ich habe Rachel sehr gerne "gehört", als sie ihre Geschichte erzählt hat und ich habe mich für sie gefreut, als ihr Leben auf eine gerade Schiene gegangen ist. Erwachsenwerden ist nicht leicht, aber Rachel hat das gut gemeistert. Ein tolles Buch, das ich gerne weiterempfehle.
In "Solito: Eine wahre Geschichte" erzählt der Autor Javier Zamora seine eigene Reise von El Salvador in die USA, um zu seinen Eltern zu kommen, als er erst neun Jahre alt war. Die Eltern und Großeltern bereiten den jungen Javier schon viel früher auf eine "Reise", er wird auf illegale Weise von Schleppern nach USA gebracht.
Das Cover hat mich von Anfang an neugierig gemacht, ist zwar schlicht gehalten, bleibt aber in Erinnerung. Der Junge und der Mond in dem Hintergrundbild unterstützen sehr gut den Titel des Buches.
Die Charaktere sind ganz normale Menschen, die sich mit schwierigen Situationen konfrontieren, Armut, Hunger, getrennt lebende Familien, Flucht und die Hoffnung auf ein besseres Leben.
Die vielen spanischen Worte, die am Ende in ein Glossar übersetzt sind, haben für mich die Geschichte noch greifbarer gemacht und ich konnte die Geschehnisse gut örtlich einordnen.
Ich finde der Autor hat wunderbar seine Erlebnisse in Worte wiedergegeben. Seine Erinnerungen haben einen großen Eindruck auf mich gemacht. Dadurch, dass der Protagonist erst neun Jahre alt war, wurden die übermittelten Gefühle für mich noch stärker.
Man erfährt aus dem Buch auch sehr viele Informationen über die Schlepperbanden und man kann sich einen guten Einblick machen, was Flüchtlinge durchmachen müssen, um in ein Land zu kommen.
"Solito" ist eine wahre, fesselnde und herzzerreißende Geschichte, die ich sehr gerne weiter empfehle.
Camden Daniels kehrt nach sechs Jahren zurück in seine Heimatstadt Alba, weil sein Vater ihn um Hilfe gebeten hat. In Alba erwartet ihn aber eine Kleinstadt, wo man dazugehören muss, damit man sich hier gut fühlen kann... und es schaut so aus, als Cam nicht einfach so dazugehört.
Der Schreibstil von Rebecca Yarros ist fließend, die Geschichte, obwohl sehr viele Themen angesprochen werden, ist leicht zu verfolgen und die Spannung wird langsam aufgebaut. Die Geschichte wird aus zwei Ich-Perspektiven erzählt, aus Willow's, Cam's Jugendliebe, und aus Cam's Perspektive. Wo Cam aufhört zu erzählen, erzählt Willow weiter und umgekehrt. So ergänzen sich die Geschichten und man kann leichter verstehen, was die HauptprotagonistInnen denken. Im ersten Teil des Buches kennen wir einige Bewohner der Kleinstadt Alba, Cam's und Willow's Familie und wir spüren sehr früh, dass hier für Cam nicht alles leicht wird. Sobald Cam und Willow zugeben, dass sie sich lieben, ist es sehr schön zu verfolgen, wie ihre Liebesgeschichte ständig wächst.
Neben der Liebesgeschichte werden auch weitere Themen diskutiert. Cams Vater, Arthur, ist an Alzheimer erkrankt und wünscht sich so stark, dass er nicht künstlich am Leben gehalten wird, wenn es so weit kommt, dass er sich sogar am Brust tätowieren lässt. Beide Themen, mit der Krankheit umzugehen und Selbstbestimmung auf das eigene Leben sind sehr gut thematisiert. Die Atmosphäre in der Kleinstadt ist auch sehr gut wiedergegeben. Die familiären Beziehungen werden gut untersucht, zwischen Geschwister, aber auch Eltern-Kindern.
Ein weiteres Thema wäre der Krieg und die Schuldgefühle, mit denen die Menschen danach weiterleben müssen. Zwischen all diesen Themen wächst die Liebesgeschichte zwischen Cam und Willow doch schön weiter bis sie nicht nur gegen einer ganzen Stadt (bei solche Themen sind die Kleinstädte mehr zu befürchten als die Großstädte) sich stellen können, sondern sogar die Menschen gewinnen, die am Anfang am meisten dagegen waren.
Mit einer ruhigen, aber sehr klaren Stimme erzählt Rebecca Yarros eine schöne Liebesgeschichte. Wichtige Themen wie Alzheimer, Selbstbestimmung, familiäre Beziehungen und die Atmosphäre in einer Kleinstadt sind angesprochen. Ich könnte nicht sagen, ob die Liebesgeschichte oder eins der anderen Themen das Hauptthema ist. Alle Themen gehen Hand in Hand, die Spannung wächst ständig durch das ganze Buch und am Ende war ich froh, dass ich das Buch gelesen habe.
Fazit: Ein schönes Buch, sowohl äußerlich als auch inhaltlich, mit vielen Themen, die zum Nachdenken anregen, das ich sehr gerne gelesen habe und auch gerne weiterempfehlen würde.
Ein gutes Buch ist leider nie lang genug. Egal wie viele Seiten das Buch hat, am Ende bleibt trotzdem das Gefühl, dass man die ProtagonistInnen noch eine Weile begleiten würde. Auch wenn das Buch über 800 Seiten lang ist.
"Demon Copperhead" ist aus der Ich-Perspektive von Demon erzählt. Er ist ca. 20 Jahre alt und, wenn man glauben würde, dass sein Leben erst anfängt, hat er so vieles schon erlebt, dass er ein dickes Buch füllen kann.
Wir begleiten Demon, seit er geboren ist, bis er ca. 20 Jahre alt wird. Sein Vater stirbt kurz vor Demons Geburt und Demon lebt nur mit seiner Mutter in USA in Virginia. Weil die Mutter von Drogen abhängig ist, wird Demon, auch wenn er nur ein Kind ist, auf die Mutter aufpassen, dass sie jeden Tag aufsteht und in die Arbeit geht. Alles verschlimmert sich, als die Mutter einen neuen Mann heiratet, Stoner, der glaubt, die Erziehung macht man mit den Fäusten.
Ab nun wird Demon vom Jugendamt genommen und weil das Jugendamt nicht wirklich aufpasst, was mit den Kindern passiert, wird ab jetzt Demon nur auf sich selbst gestellt.
Wichtig finde ich aber, dass Demon und seine Freunde eigentlich repräsentativ für die Menschen in den ärmeren Schichten in den USA, vor allem Virginia, sind. Barbara Kingsolver schreibt nicht nur über Demon, sondern über alle armen Kindern und alle armen Menschen, die wenig Auswahl im Leben haben. "Demon Copperhead" ist eine Gesellschaftskritik, die sich mit der Armut, Jugendamt, dem schlechten Gesundheitssystem, Gewalt und Drogen- und Medikamentensucht auseinandersetzt.
Alle sind Menschen wie wir, das sieht und fühlt man schon bei der ersten Liebe. Aber leider reicht das nicht, um die Lebensumstände leichter zu machen.
Der Schreibstil ist unglaublich flüssig und fesselnd, manchmal mit Humor gesprüht. Barbara Kingsolver schreibt aus der Ich-Perspektive von Demon. Als Kind sieht Demon die Welt so wie sie ist und erzählt es treu, ohne etwas zu bewerten. Die Bewertung entsteht erst im Kopf des/der Lesers/Leserin und ist nur noch herzzerreißender, als man das Gesamtbild versteht.
Die Charaktere sind sehr unterschiedlich und die meisten sind von Armut betroffen. Das ist auch der Grund, warum, auch wenn sie im Grunde gute Menschen sind, können sie manchmal nur begrenzt helfen.
Ich kann leider keine Stelle nennen, die mir am meisten gefallen hat. Das ganze Buch ist nicht nur berührend, sondern aufwühlend, herzzerreißend und dazu voll mit tollen Zitaten. Meine zwei Lieblingszitate: S. 713: Demon über seine Liebe zu Dori „Es ist ein Wunder, dass man das Leben mit nichts beginnt und mit nichts beendet und dazwischen trotzdem so viel verliert.“ und Demon S. 504: "Man sagt, keiner macht dich so fertig wie du selbst."
Ich finde das Buch ist eine Liebeserklärung der Autorin in ihrer Heimat Virginia, wo sie nun auch lebt. Die Autorin zeigt ein unglaublich gutes Verständnis auf die ganze Lebenssituation und man bemüht sich, etwas so gut zu verstehen, nur wenn man es so stark liebt. Und wenn man alles in Worte umsetzen kann, dann haben alle nur was davon gewonnen.
Ein ganz besonderes Buch, ich habe jede einzelnen Satz genossen und 800 Seiten waren mir zu wenig.
"Das verborgene Genie" ist der fünfte Band in Marie Benedict's Serie "Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte". Marie Benedict schreibt über starke Frauen, die noch wenig bekannt sind, obwohl ihren Arbeit für die Weltgeschichte sehr viel bedeutet hat.
Ich war von Marie Benedicts "Frau Einstein" beeindruckt und Naturwissenschaft begeistert mich immer. Deshalb war ich in "Das verborgene Genie" auch sehr interessiert.
Ich finde das Cover modern und sehr passend zur Thematik gestaltet. Den Schreibstil von Marie Benedict kannte ich schon. Die Autorin hat sehr gut recherchiert und uns so bildhaft erzählt, als wir an dem Geschehen teilnehmen würden. Rosalind Franklin, geboren in einer jüdischen Familie, wollte nicht in den Fußstapfen ihrer Eltern treten, sondern sich selbst beweisen. Sie war eine brillante Forscherin ihrer Zeit, sie hat die Doppelhelixstruktur der DNA entschlüsselt, nur leider wurden dafür drei Männer geehrt. Ich möchte nicht zu viel über Rosalind Franklin verraten, wer aber daran interessiert ist, findet in dem Buch "Das verborgene Genie" mehr als erwartet.
Fazit:
Man bekommt einen sehr guten Einblick in das Leben und die Arbeit von Rosalind Franklin, alles ist sehr detailreich und bildhaft beschrieben und das Setting ist sehr realistisch. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und würde es gerne weiterempfehlen.